Von der Erlaubnis schwach zu sein

Ich habe immer gewartet, dass mir irgend jemand die Erlaubnis gibt, schwach sein zu dürfen, mich ausruhen zu dürfen- aber Fakt ist, diese Erlaubnis habe ich von außen nie bekommen.
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Vor drei Wochen fing es an. Mein Großer kam montags mit Fieber aus der Schule und fühlte sich hundeelend. Nach zwei Tagen intensiver Betreuung und viel Ruhe im Bett und auf der Couch ging es ihm schon wieder besser und er konnte am dritten Tag wieder zur Schule gehen.

Am folgenden Morgen, fing es dann bei der Kleinen an. Sie fühlte sich ganz heiß an und wollte nur im Arm und an der Brust liegen. Also verbrachte ich die kommenden zwei Tage mit ihr im Arm auf dem Sofa. Sie wachte durch das Fieber oft auf in der Nacht und ich bekam nicht gerade viel Schlaf ab, bis es ihr am dritten Tag auch wieder besser ging.

Am Freitag kam meine Mittlere dann mit Fieber aus der Schule und schaffte es gerade noch auf die Couch, wo sie den Rest des Tages schlafend verbrachte. Ich hatte ja nun schon Routine im Tee kochen, kühle Waschlappen auflegen, etc. und hatte auch alle Utensilien wie Fieberthermometer, Fiebersaft, Halspastillen und Globuli griffbereit. Auch mein Mann fühlte sich nicht gut, als er nach Hause kam und so versorgte ich am Freitagabend mein Lazarett und war froh, als gegen 22.30 Uhr alle im Bett waren.

Als ich um 23 Uhr ins Bett ging fühlte ich, dass mein Hals kratzte und ich hatte leichte Kopfschmerzen.

Über die Nacht wurden die Schmerzen schlimmer und ich bekam auch noch Fieber. So quälte ich mich durch die Nacht und versorgte auch noch Lara, die auch häufig wach wurde und mich brauchte. Am Samstagmorgen ging dann gar nichts mehr. Ich schleppte mich mit Fieber vom Bett auf die Couch und war froh, wenn keiner etwas von mir wollte.

Ich merkte aber, wie ich mich trotzdem immer noch zuständig fühlte für die Bedürfnisse der Kinder und auch die von David. Insgeheim hoffte ich von David zu hören: „Schatz, ich seh wie schlecht es dir geht. Ruh dich aus, ich kümmere mich um die Kinder und das nötigste im Haushalt.“ So wie ich mir das schon so oft gewünscht hatte, wenn ich krank war oder es mir nicht gut ging. 

Ich habe eigentlich immer gewartet, dass mir jemand die Erlaubnis gibt schwach sein zu dürfen, mich ausruhen zu dürfen – aber Fakt ist, dass ich diese Erlaubnis nie bekam und mich immer durchquälte, weit über meine Grenzen hinaus.

Auch diesmal entwickelte es sich genau in diese Richtung, bis ich mich fragte warum ich eigentlich auf die Erlaubnis von anderen warte. Wieso erlaube ich es mir nicht selbst schwach zu sein, wenn ich nichtmehr kann. Außer mir, kann ja sowieso kein anderer beurteilen, wie es mir geht und ob ich in der Lage bin, meinen Aufgaben nachzukommen. Also woher kommt das Gefühl, eine Absolution von außen zu brauchen?

Ich erinnerte mich daran, wie es war, als ich noch klein war. Ich war für meine Mutter immer eine Bürde, wenn ich krank war. Sie ließ es mich deutlich spüren, indem sie demonstrativ so wenig wie möglich auf mich einging. Sie versuchte mir immer zu unterstellen, dass ich nur simulierte, um mir ihre Aufmerksamkeit und Fürsorge (unrechtmäßig) zu erschleichen – wie traurig! Ich kann mich allerdings auch nicht daran erinnern, dass ich sie einmal krank oder schwach erlebt hätte. Wahrscheinlich hat sie mich deshalb so stark abgelehnt, wenn ich krank war – es war ihre eigene verdrängte Schwäche, die sie nicht ertragen konnte.

Plötzlich verstand ich, warum ich mich immer so schuldig fühle, wenn ich schwach und krank bin. Ich hatte ja schon als Kind gelernt, dass ich in dem Zustand eine Zumutung bin, für Menschen, die mich lieben. 

Also erlaubte ich es mir auch als Erwachsene nicht. Immer wenn ich krank war, mich schlecht fühlte, etc. zwang ich mich  über meine Grenzen zu gehen und bloß nicht andere Menschen darunter leiden zu lassen, indem sie auf bestimmte Dienste von mir verzichten müssten. Ich hoffte jedoch immer insgeheim, dass ich irgendwann genug geleistet hätte und von meinen Qualen erlöst werden würde. 

Und plötzlich wurde mir klar, dass ich niemals die Erlaubnis von außen bekommen werde, solange ich es mir selbst nicht erlaube, schwach zu sein. Solange ich nicht gut für mich sorge, wenn ich krank bin, solange wird auch kein anderer das tun. 

Also erlaubte ich mir diesmal, mich so richtig schlecht zu fühlen, mich um nichts zu kümmern. Ich erlaubte mir all die verdrängte Schwäche dasein zu lassen und nachdem sich über die Jahre wirklich viel angesammelt hatte, kam jetzt auch wirklich alles hoch. Ich hatte über eine Woche lang 40 Grad Fieber und lag nur auf der Couch. Ich machte kein Essen, keine Wäsche, ich räumte nicht auf – ich tat nichts außer dazuliegen und krank und schwach zu sein! Ich bat um Hilfe, wenn ich ein Glas Wasser wollte oder einen Tee und stand nicht selbst auf, um es mir zu holen. 

Mein Mann war zunächst irritiert und reagierte sogar ärgerlich. Wie könne es denn sein, dass alle anderen aus der Familie nur 2 Tage krank waren und ich nun schon seit 4 Tagen flachliege!?

Und im ersten Moment fühlte ich mich schuldig und war wieder drauf und dran aufzustehen und zu funktionieren – aber nur im ersten Moment! Dann machte ich mir klar, dass ich wertvoll bin und es verdient habe, mich um mich zu kümmern, wenn es mir nicht gut geht.

Nachdem mein Mann sich an die neuen Gegebenheiten gewöhnt hatte, war er sogar richtig rücksichtsvoll und fürsorglich!

Wieder einmal zeigt sich, dass wir unser Leben auf uns beziehen sollten und genau hinsehen, wenn uns etwas nicht gefällt. Was denken wir im Bezug auf diese Situation, wie sehen wir uns selbst und welche Glaubenssätze haben wir über uns selbst? Welche Gefühle verdrängen wir vielleicht schon über Jahre, die uns immer wieder in schmerzhafte Situationen führen, um endlich gesehen und geheilt zu werden? 

Hast auch du solche immer wiederkehrenden Situationen? Schau hin, übernimm die Verantwortung – wenn du magst begleite ich dich dabei! 

 

Alles Liebe und bis bald, deine Heinke

 

Heinke Pfeiffer

Heinke Pfeiffer

... ist dreifache Mama, Lebensgefährtin, Unternehmerin, spirituelle Bewusstseinstrainerin und Freigeist.

Aufgrund ihrer langjährigen spirituellen Erfahrungen und motiviert durch ihre eigene Geschichte unterstützt sie heute auch andere Mamas, die in einer Lebenskrise stecken, die tiefere Botschaft dieser Krise zu erkennen und die Ursachen, die meist in der eigenen Kindheit liegen zu heilen.

Sie vermittelt in ihren Coachings die Grundlagen und die praktische Umsetzung der universellen Gesetze, um Mamas in ihre bewusste Schöpfermacht zu begleiten.

Ihre große Vision: Das Recht auf Entfaltung des seelischen und geistigen Potenzials für alle Mamas und ein daraus resultierendes glückliches und sinnerfülltes Leben.

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