Das Märchen von der glücklichen Kindheit – warum wir fast alle meinen, eine glückliche Kindheit gehabt zu haben…

Ich bin kein Einzelfall! Im Gegenteil, es ist die Regel! Wir alle haben kaum noch Zugang zu unseren Gefühlen und unserem wahren Selbst. Wir spielen alle nur die Rollen, die von uns erwartet werden und identifizieren uns irgendwann so stark damit, dass wir gar nicht merken, dass wir keine Ahnung haben, wer wir sind.
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Wenn ich an meine Kindheit denke, dann kommen Gefühle wie Einsamkeit, Trauer und Schmerz in mir hoch. Ich dachte bis Anfang 30, dass das an mir liegt, meiner „Überempfindlichkeit“, die mir von allen Seiten attestiert wurde. Es wurde immer so hingestellt, als ob mit mir etwas nicht stimmt und ich mich deshalb so schlecht fühle. Schließlich, so wurde mir gesagt, hatte ich ja alles, was man zum Glücklichsein braucht: Ich hatte ein zu Hause, genug zu essen, hübsche Sachen zum Anziehen, genügend Spielsachen – sprich ich war rundum gut versorgt.

Zudem wohnten wir noch in einem Mehrfamilienhaus mit meinen Großeltern und meiner Tante, samt Mann und Kindern, so dass ich ja trotz fehlenden Vaters, zusätzlich zu meiner Schwester, noch genug Gesellschaft um mich hatte und nie alleine war. „Wie kannst du in einem Haus voller Menschen Angst haben und dich einsam fühlen – du siehst selbst, wie komisch das ist, oder?“, war die kurze Standart-Antwort meiner Mutter, wenn ich versuchte ihr mein Herz auszuschütten, um etwas Trost zu bekommen.

So kam es, dass ich begann an meiner Wahrnehmung und meinen Gefühlen zu zweifeln und diese Gefühle ganz tief in mir zu vergraben.

Heute weiß ich, dass das was mir fehlte Wärme, Liebe und Zuwendung war. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals von meiner Mutter in den Arm genommen worden oder geküsst worden zu sein (bis auf den obligatorischen Gute-Nacht-Kuss). Ich kann mich auch nicht erinnern jemals ein „ich hab dich lieb“ oder ein Kosewort statt meines Namens gehört zu haben. Meine Gefühle waren einfach nur lästig und unerwünscht und ich begann mich dafür zu schämen.

Auch Wut oder Zorn durfte ich nicht zeigen. So war es strengstens verboten laut zu werden oder gar mit dem Fuß aufzustampfen oder die Türe zuzuknallen. Widerrede war ebenfalls eine Todsünde, so dass ich über 30 Jahre alt werden musste, um meiner Mutter das erste mal zu widersprechen.

Aber das aller, aller Schlimmste an all dem war, dass ich nicht auf den Gedanken kam, dass all dies NICHT normal ist!!!

All meine Trauer, meinen Schmerz und meine Wut vergrub ich ganz tief in mir, so dass ich es nicht mehr fühlen musste. Das unterschwellige Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt, verdrängte ich erfolgreich.

So spielte ich nur noch die Rolle, des braven, höflichen und angepassten Kindes. Meine Mutter hat auf mir all die Schattenseiten, die sie an sich selbst nicht wahrhaben wollte, abgeladen. Nie war ich gut genug, liebenswert oder wertvoll. Wenn jemand mich verletzte oder gemein zu mir war, so war ich immer selbst schuld. Verständnis oder Mitgefühl hatte ich eh nicht verdient.

Meine Schwester hingegen verkörperte all die guten Eigenschaften meiner Mutter, so dass sie unsere Kindheit ganz anders erlebte. Aber auch sie bekam keine echte Liebe, für das was sie war, sondern nur Anerkennung, wenn sie die Rolle des goldenen Kindes zur Zufriedenheit meiner Mutter spielte – aber für sie war es in dieser Rolle weniger schmerzhaft.

Irgendwann war ich 30 Jahre alt, selbst Mutter und hatte keine Ahnung wer ich bin, denn ich konnte mich selbst nicht mehr spüren. Diese Erkenntnis erschütterte mich zutiefst und löste eine große Krise und einen Abnabelungsprozess aus, der enorm schmerzhaft war. All die unterdrückten Gefühle, all die Trauer und der Schmerz brachen durch und die Wut darüber, was als Kind mit mir geschehen ist, richtete sich natürlich in erster Linie gegen meine Mutter.

Es sollte noch eine ganze Weile dauern, bis ich das alles so weit verarbeitet hatte, dass ich erkennen konnte, dass auch meine Mutter nur ein trauriges, einsames Kind gewesen ist, dass nie um seiner selbst Willen geliebt wurde, sondern nur, wenn sie die Rolle des goldenen Kindes zur Zufriedenheit ihrer Mutter spielte. So hatte sie sich in ein „Supermann-Ich“ geflüchtet, dass ständig Bewunderung von außen brauchte und die Möglichkeit, die eigenen verdrängten Schattenseiten auf jemand anderen zu projizieren. Auch sie hatte den Zugang zu sich selbst verloren – ohne es zu merken, oder sich dessen bewusst zu sein.

Mittlerweile habe ich meiner Mutter vollständig vergeben. Aber nicht in dem Sinne, dass ich so großherzig bin und ihr all ihre Fehler verzeihe. Eher in dem Sinne, dass ich zutiefst verstehe, dass es nichts zu verzeihen gibt, weil das alles von meiner Seele und ihrer Seele vor unserer Inkarnation genau so abgesprochen war. Wir sind nämlich spirituelle Wesen, die eine menschliche Erfahrungen machen, um uns selbst zu erfahren, indem wir erstmal das Gegenteil von dem erleben, was wir wirklich sind. Aber dazu mehr in einem meiner nächsten Artikel.

Nachdem ich mein eigenes Kindheitstrauma nun weitestgehend überwunden habe, traf mich vor einigen Tagen eine Erkenntnis wie ein Hammer:

Ich bin kein Einzelfall! Im Gegenteil, es ist die Regel! Wir alle haben kaum noch Zugang zu unseren Gefühlen und unserem wahren Selbst. Wir spielen alle nur die Rollen, die von uns erwartet werden und identifizieren uns irgendwann so stark damit, dass wir gar nicht merken, dass wir keine Ahnung haben, wer wir sind.

Das Problem ist die Art, wie Erziehung gesehen und praktiziert wurde/wird. Wir sind alle durch unsere Erziehung dermaßen geschädigt, emotional amputiert und halten es für „normal“, weil das ja überall so ist. Es gab einen allgemeinen Konsens, dass man Kinder durch Belohnung und Bestrafung zurechtbiegen muss, schon beim Säugling hieß es „laß es schreien, das stärkt die Lungen oder du ziehst dir einen kleinen Tyrannen auf“ oder „wenn du das Baby ins Bett nimmst, bekommst du es da nie mehr raus“, etc… Das Kind muss lieb und nett sein, gut angepasst und folgsam, fleißig und nicht zu laut und zu wild, sonst hast du als Mutter in der Erziehung versagt. Nur das hat gar nichts mit bedingungsloser Mutterliebe zu tun, die wir alle so sehr gebraucht hätten, für unser Vertrauen in uns und das Leben. Das hat nichts damit zu tun, so gesehen, angenommen und geliebt zu werden, wie man ist- ohne sich verbiegen und anpassen zu müssen. Das hat nichts zu tun mit Erfüllung kindlicher Bedürfnisse nach Nähe, Halt und Geborgenheit. Weil es aber in der Gesellschaft genau so weitergegeben wurde und bis heute wird, fragt kaum einer nach Sinn und Richtigkeit und den Konsequenzen… und diese Konsequenzen sind massenhaft emotional gestörte Menschen auf der Suche nach sich selbst und der bedingungslosen Liebe.

Wir werden mit diesem Erziehungsstil unserer Gefühle beraubt, denn ein Kind kann seine Gefühle nur dann erleben, wenn jemand da ist, der es damit annimmt und begleitet. Fehlt das, so kann das Kind die Gefühle nicht heimlich für sich erleben – es erlebt sie gar nicht! Unsere Gefühle sind aber der Zugang, zu dem was wir wirklich sind, zu unserem Selbst. Das was uns ausmacht ist unsere Freude, Begeisterung, Liebe, Mitgefühl, Trauer, Wut, Angst, Neid, Eifersucht, etc… nur über diese Gefühle können wir uns selbst spüren und uns entscheiden, WER wir wirklich in diesem Leben sein wollen.

Außerdem sind unsere Gefühle die Hauptantriebskraft im Schöpfungsprozess unserer Realität. Man kann sich noch so toll auskennen mit universellen Gesetzen, Quantenphysik und Spiritualität… ohne den Zugang zu unseren Gefühlen bleibt das alles nur Theorie, weil die wirkende Kraft fehlt, um es umzusetzen.

Es wird Zeit, dieses Thema ins kollektive Bewusstsein zu heben, damit wir endlich damit aufhören, das Trauma von Generation zu Generation weiterzugeben, weil wir keine Ahnung habe, dass wir traumatisiert sind!

Heinke Pfeiffer

Heinke Pfeiffer

... ist dreifache Mama, Lebensgefährtin, Unternehmerin, spirituelle Bewusstseinstrainerin und Freigeist.

Aufgrund ihrer langjährigen spirituellen Erfahrungen und motiviert durch ihre eigene Geschichte unterstützt sie heute auch andere Mamas, die in einer Lebenskrise stecken, die tiefere Botschaft dieser Krise zu erkennen und die Ursachen, die meist in der eigenen Kindheit liegen zu heilen.

Sie vermittelt in ihren Coachings die Grundlagen und die praktische Umsetzung der universellen Gesetze, um Mamas in ihre bewusste Schöpfermacht zu begleiten.

Ihre große Vision: Das Recht auf Entfaltung des seelischen und geistigen Potenzials für alle Mamas und ein daraus resultierendes glückliches und sinnerfülltes Leben.

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